Aktuell gibt es kein Medikament, das Alzheimer oder eine andere Demenzform verhindern, aufhalten oder heilen kann. Alzheimer stellt eine äusserst komplexe und fortschreitende Erkrankung dar. Da bis heute noch nicht alle biologischen Krankheitsmechanismen bekannt sind, gestaltet sich die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung als anspruchsvoll. Seit vielen Jahren wird weltweit an verschiedenen Wirkstoffen zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit geforscht.

Ansätze der Alzheimer-Forschung

Zurzeit befinden sich über 100 unterschiedliche Wirkstoffe in klinischen Studien. In solchen Studien wird die Sicherheit, Dosierung, Verträglichkeit und Wirksamkeit der Wirkstoffe bei gesunden und an Alzheimer erkrankten Menschen untersucht. Dabei werden verschiedene Ansätze zur Behandlung der Erkrankung verfolgt, die unterschiedliche Wirkmechanismen im Gehirn anstreben.

Die in klinischen Studien untersuchten Wirkstoffe am Menschen können in drei Gruppen eingeteilt werden. Die erste Gruppe bilden Wirkstoffe, welche die Symptome einer Alzheimer-Erkrankung behandeln und lindern. Sie zielen entweder darauf ab die Hirnleistung zu stabilisieren oder Verhaltens- und Stimmungsstörungen einer erkrankten Person zu reduzieren. Diese Wirkstoffe können die Lebensqualität der Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen erhöhen. Doch sie zielen nicht primär darauf ab die biologischen Ursachen von Alzheimer zu behandeln und damit eine Erkrankung aufzuhalten oder zu heilen.

Daneben verfolgen die anderen beiden Gruppen das primäre Ziel die zugrundeliegende Biologie der Erkrankung zu modifizieren. Dadurch soll eine Verlangsamung oder im bestmöglichen Fall eine Heilung der Erkrankung erzielt werden. Dabei wird zusätzlich zwischen sogenannten «Biologika», d.h. Wirkstoffe, die von lebenden Organismen gewonnen und z. B. als Infusion verabreicht werden und sogenannten «kleinen Molekülen» unterschieden. Letztere werden in der Regel oral eingenommen.

In den klinischen Studien zu Wirkstoffen wird heutzutage mehrheitlich das Ziel verfolgt die zugrundeliegenden Mechanismen einer Alzheimer-Erkrankung zu beeinflussen. Dabei werden verschiedene Ansätze innerhalb der vermuteten Krankheitsentstehung (Video der Alzheimer Forschung Initiative e.V. dazu) verfolgt. Diese streben z. B. eine Reduktion der Ablagerungen von Tau- oder Beta-Amyloid-Eiweissen, eine Verhinderung der daraus resultierenden Entzündungsprozesse oder des Absterbens von Nervenzellen im Gehirn an.

Quellen: Cummings, J., Lee, G., Zhong, K., Fonseca, J., & Taghva, K. (2021). Alzheimer's disease drug development pipeline: 2021. Alzheimer's & Dementia: Translational Research & Clinical Interventions, 7(1), e12179.

Alzheimer-Forschung weltweit

In dieser späten Entwicklungsphase handelt es sich aktuell in der Mehrzahl der untersuchten Wirkstoffe um Antikörper, die sich gegen Ablagerungen von Eiweissen im Gehirn richten. Basierend auf dem aktuellen Wissensstand ist die Alzheimer-Krankheit unter anderem auf diese Eiweissablagerungen im Gehirn, sogenannte Beta-Amyloid (Aß)-Ablagerungen, zurückzuführen. Diese Aß-Ablagerungen entstehen durch die Anreicherung und Fehlfaltung der Eiweissstoffe im Gehirn, welche anschliessend giftige Moleküle bilden. Dies kann zu Entzündungen und Zelltod im Gehirn führen. Durch die Verabreichung von Antikörpern, welche auf diese für die Erkrankung charakteristischen Aß-Ablagerungen im Gehirn abzielen, sollen diese entweder reduziert oder deren Entstehung verhindert werden. Wirkstoffe, die diesen Ansatz verfolgen sind unter anderem der Wirkstoff mit dem Namen «Donanemab» des amerikanischen Pharmaunternehmens Eli Lilly, sowie der Wirkstoff bekannt unter den Namen «Lecanemab» und «BAN2401» des japanischen Pharmaunternehmens Eisai und der Partnerfirma Biogen.

Gemäss Medienmitteilung von Eli Lilly vom 3. Mai 2023 verlangsamte die Behandlung mit Donanemab in einer Phase-3-Studie die klinische Verschlechterung um 35% im Vergleich zu Placebo und führte zu einer um 40% geringeren Beeinträchtigung der Fähigkeit Aktivitäten des täglichen Lebens durchzuführen.

Die beiden Unternehmen Eisai und Biogen haben zudem Ende November 2022 ermutigende Ergebnisse zu ihrem Wirkstoff Lecanemab präsentiert. Am 6. Januar 2023 wurde der Wirkstoff in den USA zugelassen. Im Juni 2023 hat Eisai ein Zulassungsgesuch beim schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic eingereicht. Des Weiteren hat das Antikörper-Medikament mit dem Wirkstoff «Aducanumab» des amerikanischen Biotechnologie-Unternehmens Biogen im Jahr 2021 die Zulassung in den USA erhalten. In der EU ist das Medikament nicht zugelassen. Im April 2021 reichten Biogen/Eisai ein Zulassungsantrag in der Schweiz ein. Dieses wurde jedoch im Mai 2022 zurückgezogen. Weitere klinische Studien werden in den kommenden Jahren durchgeführt, um die Wirksamkeit des Medikamentes abschliessend zu untersuchen.

Alzheimer Europe gibt einen Überblick über alle klinischen Studien in Europa zum Thema Demenz

Alzheimer-Forschung in der Schweiz

Auch die Schweiz beteiligt sich an der Erforschung von Medikamenten zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Dabei wurde zuletzt besonderes Gewicht dem Wirkstoff mit dem Namen «Gantenerumab» des Pharmakonzerns Roche beigemessen, welcher in klinischen Phase-3-Studien untersucht wurde. Auch bei diesem Wirkstoff handelt es sich um einen Antikörper, welcher sich gegen die A?-Ablagerungen im Gehirn richtet. In den Auswertungen der Phase-3-Studien erwies sich Gantenerumab jedoch als zu wenig wirksam, auch in hoher Dosierung.

Das Portal zur Humanforschung in der Schweiz des Bundesamtes für Gesundheit gibt einen Überblick über alle klinischen Studien in der Schweiz.

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